Panikattacken

Sie kommt, wann sie will, einfach so – aus heiterem Himmel, mit aller Gewalt und unglaublich beängstigend. Obwohl sich Panik im Körper wie völliges Chaos anfühlt – Herzrasen, das beklemmende Gefühl, zu ersticken, Schwindel, Kribbeln in den Armen und Beinen oder gar das Gefühl, dass es jetzt ganz schnell zu Ende gehen kann –, folgt sie ganz bestimmten Mustern. Diese Muster liegen vor allem in zwei Bereichen: den Gedanken und dem Körper, die bei einer Panikattacke schwer voneinander zu trennen sind. Genau genommen schaukeln sie sich sogar gegenseitig hoch: Je mehr Panik, desto mehr Herzklopfen; je mehr Herzklopfen, desto mehr Panik entsteht. Man spricht von einem Panikkreislauf.
Eine Panikattacke dauert im Normalfall nicht länger als einige Minuten und ist, allen Gefühlen und rasenden Gedanken zum Trotz, völlig ungefährlich. Was bleibt, ist ein bedrohliches Gefühl, besonders wenn die Attacken regelmäßig auftreten. Daraus entwickelt sich zwangsweise eine Angst vor der Angst, die sogenannte Erwartungsangst: Man möchte auf keinen Fall erneut eine Panikattacke mit all ihren erschreckenden Symptomen erleben. Letztendlich löst jedoch die Erinnerung an die erlebte Hilflosigkeit selbst die Angst aus.
Das Besondere an der Panikstörung: Sie wird oft erst spät als solche erkannt. Atemprobleme oder Herzrasen sind auf den ersten Blick körperliche Symptome, weshalb der Weg zunächst meist zu verschiedenen Ärzten führt. Erst nachdem physische Ursachen ausgeschlossen wurden, erkennen die Betroffenen, dass die Ursache in der Psyche liegt, und suchen Hilfe beim Psychologen.
Mit Ihren Beschwerden sind Sie jedoch nicht allein: Etwa neun Prozent aller Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine Panikattacke, ungefähr zwei Prozent entwickeln eine Panikstörung. Frauen sind dabei weit häufiger betroffen als Männer (Wittchen et al., 2011).

Welche Ursachen haben Panikattacken?

Die erste Panikattacke tritt oft außer Haus in Situationen der vermeintlichen Entspannung auf. Wen es trifft, liegt unter anderem an der genetischen Grundausstattung: Manche Personen sind anfälliger für Panik als andere. Liegt die Veranlagung in der Familie, wird man in stressigen Zeiten – wie während einer Scheidung, nach einem Umzug oder wenn es im Job nicht so gut läuft – eher von einer Panikattacke heimgesucht.

Doch auch die eigenen Erfahrungen haben Auswirkungen darauf, ob man eine Panikstörung entwickelt. Lernt ein Kind schon früh, dass es die Ereignisse um sich herum kontrollieren kann, wird es später seltener Opfer einer Panikattacke oder meistert eine solche als Erwachsener besser.

Welche Folgen können Panikattacken haben?

Die erste Panikattacke stellt oftmals ein existenziell bedrohliches und traumatisierendes Erlebnis dar. Die bereits erwähnte Angst davor, dass ein neuerlicher Anfall auftritt, verhindert in der Folge unter Umständen, dass sich die Betroffenen frei bewegen können. Hier ist der Mensch einfach programmiert: Er kann schlichtweg nicht anders. Manche Theorien gehen sogar so weit, das gesamte menschliche Verhalten auf zwei Kategorien zu begrenzen: Entweder ich mache etwas, um mich besser zu fühlen, wie im Hochsommer ein Schokoladeneis essen – oder ich vermeide etwas, was mir ein schlechtes Gefühl gibt, zum Beispiel jenen Ort, an dem ich das letzte Mal eine Panikattacke hatte.
Dieses Vermeidungsverhalten weitet sich häufig auf ähnliche Situationen aus. Erlebt man seine erste Panikattacke beispielsweise in einem Einkaufszentrum, wird zunächst genau dieses Zentrum bei der nächsten Einkaufstour ausgelassen. Später fühlt man sich vielleicht nur noch im Tante-Emma-Laden um die Ecke sicher, und zu guter Letzt wird alles über den Online-Lebensmittelshop bestellt. Bei Panikattacken geht zunehmend das Vertrauen in den eigenen Körper und in das Leben selbst verloren. Die Betroffenen werden risikoscheu, brauchen die ständige Rückversicherung von anderen (Partner, Ärzte, Therapeuten), dass mit ihnen alles in Ordnung ist, oder greifen zur Selbstmedikation in Form von Alkohol oder Tabletten.

Wie werde ich meine Panikattacke los?

Die vielversprechendste Behandlungsmethode bei Panikstörungen ist die Kognitive Verhaltenstherapie (Gloster et al., 2011). Regelmäßig auftretende Panikattacken verschwinden nur selten von selbst, eher besteht die Tendenz zur Verschlimmerung. Je früher Panikattacken behandelt werden, desto höher sind die Chancen, sie dauerhaft und vollständig loszuwerden.

Wie sieht eine Behandlung bei Phobius aus?

Phobius hat sich unter anderem auf die Behandlung von Panikattacken spezialisiert. Durch Aufklärung über die psychischen und körperlichen Vorgänge sowie anhand innovativer Techniken erreichen wir, dass Sie wieder angstfrei durch Ihren Alltag gehen. Teile unserer Behandlung machen sich die bewährte Technik der Konfrontation mit dem angstauslösenden Reiz zunutze – mithilfe einer virtuellen Welt. Der große Vorteil: Sie sind zu hundert Prozent auf sicherem Boden und in guten Händen unserer Psychologen, die Sie Schritt für Schritt aus den kreisenden Gedanken und Ängsten herausbegleiten.
Im Laufe der Behandlung erfahren Sie, was genau Angst ist, wie sie entsteht und warum sie zu einem ständigen Begleiter wurde. Zudem lernen Sie effektive Strategien der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kennen, mit denen Ihre Angst bald der Vergangenheit angehört. Die Kognitive Verhaltenstherapie ist eine speziell für Ängste geeignete Therapie und erfordert Ihre aktive Mitarbeit. Am effektivsten wirkt sie, wenn sie auf Ihre individuelle Panikattacken zugeschnitten ist und wenn Sie die gelernten Methoden regelmäßig üben. Diese umfassen körperliche Beruhigungstechniken, geistige Strategien und Verhaltensübungen und helfen Ihnen, erfolgreich gegen Ihre Panikattacken vorzugehen.
1. Einheit Kennenlernen, Exploration
2.-4. Einheit Wissensaufbau, Erlernen der Techniken zur Angstbewältigung, Strategien erproben
5.-9. Einheit (Virtuelle) Exposition
10. Einheit Abschlussgespräch und Erfolgsplanung für die Zukunft
Eine Panikattacken verschwindet nicht von alleine - im Gegenteil, sie kann im Laufe der Zeit schlimmer werden und vielfältige Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Trotzdem lassen sich die meisten Betroffenen nicht behandeln, obwohl dies innerhalb weniger Sitzungen erfolgreich möglich wäre.