Angst vor dem Krankwerden // Hypochondrie

„Mein Herz fühlt sich irgendwie anders an. Wenn ich darüber nachdenke, ist das schon ein bisschen länger so. Manchmal klopft es zu schnell, und manchmal macht es so kleine Aussetzer – ich glaube, es wird schlimmer. Ich behalte das lieber mal im Auge …“ – Solche Gedanken kommen Hypochondern nur zu bekannt vor. Die Hypochondrie bezeichnet eine Gesundheitsangst: Sie ist gekennzeichnet durch das starke Festhalten an der Sorge, dass man an einer ernsthaften Erkrankung leidet oder auf dem besten Weg ist, eine solche zu entwickeln.
Dieser Glaube beruht auf der Fehlinterpretation harmloser körperlicher Empfindungen. Betroffene reagieren darauf sensibler und beobachten sich selbst und innere Vorgänge stärker als andere. In der Folge wird das Leben zunehmend von der Vorstellung eingeschränkt, dass etwas nicht stimmt. Dabei ist es ganz natürlich, dass das Herz mal schneller und mal langsamer klopft – es bedeutet im Normalfall, dass alles gut funktioniert und der Körper in der Lage ist, auf die Reize, die ihn umgeben, adäquat zu reagieren.

Was sind die Ursachen der Hypochondrie?

Die Hypochondrie entsteht durch eine Fehleinschätzung der eigenen Gesundheit oder der persönlichen Verletzlichkeit. Betroffene scannen ihren Körper fortwährend nach Abweichungen vom Normalzustand. Schon einmalige Erscheinungen wie Müdigkeit oder Schwindel beim Aufstehen werden als Anzeichen einer ernstzunehmenden Krankheit interpretiert. Die Folge sind die typischen Angstsymptome wie ein erhöhter Puls, Schwitzen und Anspannung.

Für Hypochonder bedeutet Gesundheit meist die völlige Abwesenheit von körperlichen Veränderungen und Unwohlsein. Diese Definition ist in Fachkreisen aber längst überholt: Gesundheit wird als Zustand des psychischen, körperlichen und zwischenmenschlichen Wohlbefindens gesehen. Dass es hie und da mal ein bisschen zwickt, ist vollkommen normal.

Welche Folgen hat die Angst vor dem Krankwerden?

Hypochonder empfinden ihren Zustand oft als stressig und fühlen sich durch die ständigen Sorgen um die eigene Gesundheit in ihrem Alltag eingeschränkt. Um die Furcht gering zu halten, treffen sie zahlreiche Vorkehrungen, um sich ganz sicher nichts einzufangen. Typisch ist die Recherche im World Wide Web: Auf welche Krankheiten könnten die bemerkten körperlichen Veränderungen hinweisen? Diese Suche bringt meist eine große Bandbreite an lebensbedrohlichen Erkrankungen hervor, was Betroffene in ihren Befürchtungen bestätigt.
Spannend ist, dass die wahrgenommenen Symptome jene, die tatsächlich bei einer Krankheit auftreten, sowohl in der Anzahl als auch in der Intensität übersteigen. Es gibt zum Beispiel sechs Hauptmerkmale, die auf einen Herzinfarkt hinweisen können – an Hypochondrie Leidende zählen mit Leichtigkeit dreimal so viele Symptome auf, die ihrer Meinung nach unweigerlich bald eine Katastrophe nach sich ziehen.
Die Sorgen, an einer schrecklichen Krankheit zu leiden, lassen sich selbst durch medizinische Rückversicherung nicht ausräumen. Viele Betroffene haben eine kleine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich. Wenn Tests mit negativen Ergebnissen zurückkommen, akzeptieren sie dies jedoch nicht: Hypochonder gehen vielmehr davon aus, dass die falschen Tests vorgenommen wurden oder die Ärztinnen und Ärzte inkompetent seien. Denn irgendetwas ist ganz offensichtlich verkehrt – und dafür muss es schließlich eine plausible Erklärung geben.

Was hilft gegen die Angst vor Krankheiten?

Einfach nicht mehr darauf zu achten, welche Signale der Körper sendet, ist leichter gesagt als getan – meist ist es längst zur Gewohnheit geworden, die eigenen Empfindungen präzise zu analysieren. Dennoch ist ein Umlernen möglich. Das beginnt damit, zu verstehen, dass leichte Übelkeit, Sternchensehen beim Aufstehen oder Herzrasen auch bei völlig gesunden Menschen auftreten – deswegen liegt noch lange keine Krankheit vor. Es ist wichtig, diese Situationen zuzulassen, um zu erkennen, dass gar kein Grund zur Angst besteht.
Bei Phobius arbeiten wir mit Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), die davon ausgeht, dass Körper und Psyche eng zusammenhängen. Aus diesem Grund werden bei der Behandlung der Hypochondrie die beiden Ebenen sowohl getrennt voneinander als auch im Zusammenspiel betrachtet. Realisiert der Kopf, dass er sich zu Unrecht Sorgen um die Gesundheit macht, verlernt er die Angst. Dann ist die betroffene Person nicht mehr übertrieben vorsichtig, wenn der Bauch einmal wehtut – sondern sie erkennt, dass sich etwa nur die Kirschen nicht gut mit dem danach getrunkenen Wasser vertragen. Auf diese Weise ist es möglich, langsam und behutsam gegen die Angst vorzugehen.

Wie sieht eine Behandlung bei Phobius aus?

Phobius hat sich unter anderem auf die Behandlung von Hypochondrie spezialisiert. Durch Aufklärung über die psychischen und körperlichen Vorgänge sowie anhand innovativer Techniken erreichen wir, dass Sie wieder angstfrei durch Ihren Alltag gehen. Teile unserer Behandlung machen sich die bewährte Technik der Konfrontation mit dem angstauslösenden Reiz zunutze – mithilfe einer virtuellen Welt. Der große Vorteil: Sie sind zu hundert Prozent auf sicherem Boden und in guten Händen unserer Psychologen, die Sie Schritt für Schritt aus den kreisenden Gedanken und Ängsten herausbegleiten.
Im Laufe der Behandlung erfahren Sie, was genau Angst ist, wie sie entsteht und warum sie zu einem ständigen Begleiter wurde. Zudem lernen Sie effektive Strategien der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kennen, mit denen Ihre Angst bald der Vergangenheit angehört. Die Kognitive Verhaltenstherapie ist eine speziell für Ängste geeignete Therapie und erfordert Ihre aktive Mitarbeit. Am effektivsten wirkt sie, wenn sie auf Ihre individuelle Hypochondrie zugeschnitten ist und wenn Sie die gelernten Methoden regelmäßig üben. Diese umfassen körperliche Beruhigungstechniken, geistige Strategien und Verhaltensübungen und helfen Ihnen, erfolgreich gegen Ihre Hypochondrie vorzugehen.
1. Einheit Kennenlernen, Exploration
2.-4. Einheit Wissensaufbau, Erlernen der Techniken zur Angstbewältigung, Strategien erproben
5.-9. Einheit (Virtuelle) Exposition
10. Einheit Abschlussgespräch und Erfolgsplanung für die Zukunft
Eine Hypochondrie verschwindet nicht von alleine - im Gegenteil, sie kann im Laufe der Zeit schlimmer werden und vielfältige Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Trotzdem lassen sich die meisten Betroffenen nicht behandeln, obwohl dies innerhalb weniger Sitzungen erfolgreich möglich wäre.