Höhenangst // Akrophobie

„Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen …“ – das sagte Neil Armstrong, als er am 21. Juli 1969 von seiner Leiter auf die Mondoberfläche sprang. Der Unterschied zwischen Mr. Armstrong damals und vielen Menschen mit Höhenangst heute ist, dass es Neil nichts ausgemacht haben dürfte, die letzte Stufe mit einem Sprung zu nehmen. Ist die Furcht vor Höhen jedoch stark ausgeprägt, reicht schon der Abstand zwischen der untersten Sprosse einer Leiter und dem Boden, um der Person den kalten Schweiß auf die Stirn zu treiben.
Die Akrophobie oder Höhenangst bezeichnet die unrealistische und ausufernde Angst vor Höhen. Viele Menschen haben Respekt vor entsprechenden Situationen und fühlen sich etwa an der Kante eines Hochhauses ein wenig mulmig. Für die Angst, die ein Akrophobiker verspürt, reicht dieses Wort jedoch nicht aus: Ihm steht der Schweiß auf der Stirn, seine Knie werden weich, die Pulsfrequenz steigt, das Blickfeld verengt sich.
Die Angst kann durch die unterschiedlichsten Situationen ausgelöst werden. Geht es der Person verhältnismäßig gut, beginnt die Angst erst bei größeren Höhen: etwa auf einem Hochhaus, einer Brücke oder dem Balkon. Bei stärkerer Ausprägung reicht es schon aus, auf einem Sessel zu stehen, um eine unerklärliche Angst zu verspüren. Menschen mit Höhenangst berichten oft davon, das Gefühl zu haben, dass sie die Tiefe zu ihren Füßen anzieht und sie etwas dazu verleiten könnte, spontan hinunterzuspringen – selbst wenn sie das gar nicht wollen. Dieses Phänomen bezeichnet man als „Call of the Void“.

Was sind die Ursachen der Höhenangst?

Im Gegensatz zu anderen Phobien wird die Höhenangst – zumindest statistisch gesehen –selten durch eine traumatische Erfahrung ausgelöst. Betroffene sind also meist nirgendwo abgestürzt. Viele Akrophobiker haben eher die Erfahrung gemacht, dass es ihnen schwerfällt, die Balance zu halten, sie sensibler auf Körperreaktionen achten und sich bei Bewegungen im Raum nicht ganz wohlfühlen. Was, wenn mich mein Gleichgewichtssinn an dieser Kante im Stich lässt? Solche und ähnliche Gedanken tragen dazu bei, dass sich eine Phobie entwickelt.

Welche Folgen zieht die Höhenangst nach sich?

Weil so viele Situationen Höhenangst auslösen können, beeinflusst die Phobie das Leben oft in den unterschiedlichsten Bereichen. Das Vermeidungsverhalten – eine typische Reaktion –verleitet die betroffene Person dazu, sich keinen Höhen mehr auszusetzen. Problematisch wird es etwa dann, wenn man als Elektriker oder Architektin eine Akrophobie entwickelt und seinen Tätigkeiten am Arbeitsplatz nicht mehr in gewohntem Ausmaß nachgehen kann.
Doch auch in den eigenen vier Wänden schränkt die Phobie unter Umständen ein: Wer auf eine Leiter steigen muss, um die kaputte Glühbirne zu wechseln, zieht aufgrund der Angst womöglich die Dunkelheit vor. Ebenso werden Brücken, steile Stiegen oder Aufzüge zunehmend zum Hindernis.

Was hilft bei Höhenangst?

Ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung haben mit dem Phänomen Höhenangst zu kämpfen. Sie ist damit eine der am weitesten verbreiteten Phobien, gut erforscht und gut therapierbar. In der Forschung gilt die angeleitete Konfrontation mit dem Reiz, also der Höhe, als erfolgreichste Behandlungsmethode. Hier bei Phobius hilft dabei die Technologie: Nach einigen Sitzungen, in denen wir Sie über die Angst aufklären und Sie Techniken zum Umgang damit erlernt haben, tauchen Sie vor einer Konfrontation in der richtigen Welt in die virtuelle Realität ein. Dabei kann Ihnen nichts passieren – Sie stehen ja immer noch auf festem Boden, auch wenn es sich anders anfühlt.

Wie sieht eine Behandlung bei Phobius aus?

Phobius hat sich unter anderem auf die Behandlung von Höhenangst spezialisiert. Durch Aufklärung über die psychischen und körperlichen Vorgänge sowie anhand innovativer Techniken erreichen wir, dass Sie wieder angstfrei durch Ihren Alltag gehen. Teile unserer Behandlung machen sich die bewährte Technik der Konfrontation mit dem angstauslösenden Reiz zunutze – mithilfe einer virtuellen Welt. Der große Vorteil: Sie sind zu hundert Prozent auf sicherem Boden und in guten Händen unserer Psychologen, die Sie Schritt für Schritt aus den kreisenden Gedanken und Ängsten herausbegleiten.
Im Laufe der Behandlung erfahren Sie, was genau Angst ist, wie sie entsteht und warum sie zu einem ständigen Begleiter wurde. Zudem lernen Sie effektive Strategien der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kennen, mit denen Ihre Angst bald der Vergangenheit angehört. Die Kognitive Verhaltenstherapie ist eine speziell für Ängste geeignete Therapie und erfordert Ihre aktive Mitarbeit. Am effektivsten wirkt sie, wenn sie auf Ihre individuelle Höhenangst zugeschnitten ist und wenn Sie die gelernten Methoden regelmäßig üben. Diese umfassen körperliche Beruhigungstechniken, geistige Strategien und Verhaltensübungen und helfen Ihnen, erfolgreich gegen Ihre Höhenangst vorzugehen.
1. Einheit Kennenlernen, Exploration
2.-4. Einheit Wissensaufbau, Erlernen der Techniken zur Angstbewältigung, Strategien erproben
5.-9. Einheit (Virtuelle) Exposition
10. Einheit Abschlussgespräch und Erfolgsplanung für die Zukunft
Eine Höhenangst verschwindet nicht von alleine - im Gegenteil, sie kann im Laufe der Zeit schlimmer werden und vielfältige Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Trotzdem lassen sich die meisten Betroffenen nicht behandeln, obwohl dies innerhalb weniger Sitzungen erfolgreich möglich wäre.