Ca. 29% aller Menschen leiden unter Angststörungen

Obwohl die Behandlung von Phobien sehr hohe Erfolgsraten aufweist, sucht nur ein kleiner Teil der Patienten mit spezifischer Phobie professionelle Hilfe

Angst vor Blut, Spritzen und Nadeln

Die Angst vor Spritzen, Nadeln oder Blut, auch bekannt als Blut-Verletzungs-Injektionsphobie oder Trypanophobie, ist eine intensive Angst vor Situationen, in denen eine Nadel, Spritze oder Blut vorkommt. Betroffene versuchen, diese Umgebungen möglichst zu vermeiden. Da dies oft in Krankenhäusern oder beim Arzt der Fall ist, werden notwendige Behandlungen aufgeschoben. Das kann zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, da sich betroffene Menschen zum Beispiel vom Arzt keine Impfung verschreiben oder Blut abnehmen lassen. Oft bestehen auch Zusammenhänge mit anderen Phobien. So kann beispielsweise der Angst vor dem Zahnarzt auch eine Angst vor Spritzen zugrunde liegen.

Die Gruppe der Blut -, Verletzungs- und Injektionsphobien wird im ICD-10, dem internationalen Klassifikationssystem von Krankheiten, als eine spezifische Phobie klassifiziert. Eine leichte Furcht vor Blut und Spritzen ist normal, es wird sogar angenommen, dass über 10% der Bevölkerung diese Furcht aufweisen. Etwa 2-3% davon leiden unter einer krankheitswertigen Phobie. Die Zahlen sind nicht zu unterschätzen, vor allem auch wegen der negativen Folgen, die die Angst auf die Lebensqualität Betroffener haben kann. Diese neigen dazu, medizinische Eingriffe die für die Gesundheit wichtig wären zu vermeiden, brechen das Studium oder die Ausbildung ab (z.B. Medizin, Krankenpflegeschule), und vermeiden es Freunde und Verwandte im Krankenhaus zu besuchen.

Gerade Kinder haben oft große Angst vor einer Spritze. Eltern sollten Ihre Kinder immer fragen, ob diese mit der Spritze einverstanden sind. Wenn man gut erklärt wieso die Impfung notwendig ist, können Kinder leichter damit umgehen.

Was passiert wenn die Panik kommt?


Im Gegensatz zu anderen Phobien, zeichnet sich die Angst vor Blut oder Spritzen durch eine zweiphasige Angstreaktion aus. Das heißt, obwohl in den ersten Sekunden Panik auftritt und eine erhöhte physiologische Aktivität mit Herzrasen, erhöhtem Blutdruck, Schwitzen, etc. stattfindet, folgt unmittelbar darauf ein schneller Abfall dieser (Blutdruckabfall, Pulsabfall bis zu 35 bis 40 Schläge pro Minute, etc.). Dies kann zu Schwindel, Blässe und manchmal sogar zur Ohnmacht führen. Neben der Angst davor in Ohnmacht zu fallen, welche wohl am häufigsten auftritt, fürchten sich Betroffene davor, die Kontrolle zu verlieren, eine Panikattacke zu bekommen, von anderen verspottet zu werden oder dass die Nadel abbricht und im Körper verbleibt. Ebenfalls üblich sind Gefühle von Ekel und Abscheu bei der Konfrontation mit Blut oder einer Spritze.

Was kann man tun?


Weil die Ängste so stark sind, lassen sich viele Menschen nicht helfen. Und das, obwohl man die Angst sehr gut behandeln kann. Am besten hilft eine sogenannte Kognitive Verhaltenstherapie. Dabei wird zunächst gelernt wie man mit der Angst körperliche als auch psychisch umgehen kann. Dann werden Betroffene stufenweise mit angstauslösenden Reizen konfrontiert, solange bis keine Panik mehr ausgelöst wird.
Bei der Behandlung ist es in der Regel nicht zu empfehlen, Entspannungstechniken während der Exposition durchzuführen (obwohl diese in der ersten Phase der zweiphasigen Reaktion nützlich sein können). Hilfreich sind eher Methoden der angewandten Anspannung, mit dem Ziel, den physiologischen Abfall auszugleichen und so die Ohnmacht zu verhindern.

In den letzten Jahren zeigen immer mehr Studien die klinische Wirksamkeit der virtuellen Realität (VR) und der Augmented Reality (AR) bei der Behandlung spezifischer Phobien. Diese Technologien bieten den idealen Rahmen, die belastenden Situationen in einem kontrollierten und sicheren Rahmen zu erleben.

Struktur und Ablauf unserer Behandlung


Im Laufe der Behandlung erfahren Sie, was genau Angst ist, wie sie entsteht und warum sie zu einem ständigen Begleiter wurde. Sie werden lernen, wie die Angst mit effektiven Strategien und Verhaltensweisen der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) behandelt werden kann. Die KVT ist eine speziell für Ängste geeignete Therapie und erfordert Ihre aktive Mitarbeit. Am effektivsten ist die KVT, wenn sie auf Ihre individuelle Angst zugeschnitten ist und wenn Sie die Strategien zur Behandlung Ihrer Symptome regelmäßig üben. In dieser Behandlung werden Sie lernen, mit körperlichen Beruhigungstechniken, geistigen Strategien und Verhaltensübungen gegen Ihre Angst vor Spritzen vorzugehen.

1. Einheit Kennenlernen, Exploration
2.-4. Einheit Wissensaufbau, Erlernen der Techniken zur Angstbewältigung, Strategien erproben
5.-7. Einheit Virtuelle Exposition (Konfrontation)
8. Einheit Abschlussgespräch und Erfolgsplanung für die Zukunft
Angst vor Nadeln oder Blut verschwindet nicht von alleine - im Gegenteil, sie kann im Laufe der Zeit schlimmer werden und vielfältige Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Trotzdem lassen sich die meisten Betroffenen nicht behandeln, obwohl dies innerhalb weniger Sitzungen erfolgreich möglich wäre.


Folgen Sie uns online